Entstehung der Methode
Die Funktionelle Entspannung (FE) ist eine körperbezogene Psychotherapiemethode. Die Entwicklung der Methode ist eng mit dem Namen ihrer Begründerin, Marianne Fuchs, verbunden. Sie schreibt dazu: Im Mittelpunkt der Funktionellen Entspannung steht der Leib, mit dem der Mensch sich und die Weit erlebt und mit dem er sich in der Weit verhält. Am Atemrhythmus, in seinem Bewegtsein und Sich-Bewegen-Lassen stellt sich der Leib am deutlichsten dar. Dementsprechend ist die Entspannung des Zwerchfells, mit dem Ziel, den Eigenrhythmus zu finden, zu entwickeln und zu stärken, das zentrale Anliegen der Methode. Die Wurzeln dieser Methode liegen u.a. in der Jugend - und Reformbewegung der zwanziger Jahre. Fuchs: |
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Unser Menschenbild war früh bestimmt von der Suche nach Wahrheit im Sinne der Entsprechung von Gegensätzlichem. 1926 entschied sich Marianne Fuchs für eine Ausbildung zur Gymnastiklehrerin, heute am ehesten gleichzusetzen mit dem Beruf einer Bewegungstherapeutin mit heilpädagogischer Zusatzausbildung. Sie begann an der Güntherschule in München, die 1924 von der Gymnastiklehrerin Bess Mensendieck, mit Carl Orff als musikalischem Leiter, gegründet worden war. |
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Gelehrt wurde eine physiologisch-funktionelle Gymnastik mit rhythmischen Elementen, wobei die Lehrerin von Marianne Fuchs, Thekla Malmberg, ebenso wie die Leiterin der Schule zu den Pionierinnen körperorientierter Ansätze gehörten, die eine Verbindung von physiologischer Funktion und körperlichem Ausdruck mit musikalischen Elementen bis hin zur sprachlichen Symbolisierung suchten. Einflüsse kamen auch aus der psychoanalytischen Bewegung. Fuchs: Das Unbewußte gehörte zum stimmenden Ansatz der Bewegung. Wir wollten aus der Tiefendimension gestalten, wie Mary Wigman im Tanz. Nach Abschluß ihrer Ausbildung ging M. Fuchs 1928 nach Marburg und arbeitete dort in eigener Praxis und als freie Mitarbeiterin der dortigen Universitätsklinik. 1936 zog M. Fuchs mit ihrem Mann nach Heidelberg um, wo sie, nach der Geburt von drei Kindern, von 1946 an als Mitarbeiterin der Medizinischen Universitätsklinik (Leiter Prof. Siebeck) tätig war. Dort entwickelte sie, in enger Zusammenarbeit mit ihm und Viktor v. Weizsäcker, einem der Begründer der psychosomatischen Medizin in Deutschland, auf dem Hintergrund der dortigen anthropologischen Medizin, die Methode der Funktionellen Entspannung. Der Beginn war jedoch eine Erfahrung mit ihrem eigenen Kind. Fuchs: Unser 2. Sohn bekam, als er 1½ Jahr alt war, eine Bronchopneumonie, die sich zweimal wiederholte. Eine therapieresistente spastische Bronchitis blieb zurück. Ich hatte nur die Wahl, mich mit einem beginnenden Asthma abzufinden oder einen Weg zu suchen, wie der gestörte Atemrhythmus des Kindes in Ordnung zu bringen war. Wille und Verstand waren bei einem 1¼ Jährigen nicht anzusprechen. Eben das wurde die Chance, auf emotionalem, spielerischen Wege, aber gezielt, etwas zu erreichen, was die unbewußten, vegetativen Bereiche traf. Das gelang durch einfühlende, auch taktile, minimale, nicht bedrängende Veränderungen seines Brustkorbes, und durch Töne, die sich seinem kurzen Ausatmen anpaßten. Darauf regierte das Kind positiv, man durfte es nur zu nichts zwingen. Wenn es ihm nicht gut ging, rief es: 'Mama, puh machen!'...Nicht nur die Angst konnte in kleinen Schritten abgebaut werden, wir erreichten auch Abhusten, konnten Anfälle auflösen oder abfangen, oder es gelang, ihn zum Einschlafen zu bringen. (...) Deshalb berichtete ich Siebeck von meinen Erfolgen bei unserem Sohn und sagte: 'Ich glaube, ich habe den Einschlupf in das vegetative Unbewußte gefunden.' Darauf Siebeck: 'Wenn Sie über die unbewußte Atmung Einfluß auf das Vegetativum nehmen können, wäre das ja ein Weg, unsere funktionell Gestörten ins Gleichgewicht zu bringen. Das interessiert mich. Wir können bisher nur sedieren oder anregen!' Das war die Geburtsstunde der FE. Da 1946 auch V. v. Weizsäcker nach Heidelberg zurückkam, gab es besonders mit seiner Abteilung regen Austausch. |
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